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Ich versteh’ nur Bahnhof

Montag, 19. Oktober 2009, um 15:32 Uhr in Webentwicklung.

Diesen Spruch kennt wohl jeder von euch. Man verwendet den Spruch gerne, wenn einer in einer fremden Sprache spricht und/oder, wenn ein Physiker über den Doppler-Effekt spricht: Wir verstehen nichts! Kommunikationsprobleme kommen in jeder Sprache, in jeder Kultur und auch in den besten Familien vor: Der Mensch versteht die Sprache der Tiere nicht, der Mann die Frau nicht und umgekehrt und der Hochdeutsche versteht kein Wort bayrisch.

Bedeutung des Wortes

Semantik nennt man die Bedeutungslehre der Wörter. Wenn ich “Bahnhof” schreibe, kann sich jeder sofort ein visuelles Bild davon machen und kann es sofort zuordnen. Wenn ich nun aber z.B. nur das Wort aus der deutschen Sprache kenne und aufgefordert werde einen Satz zu bilden, dann hört sich das so an:
Bahnhof, Bahnhof, Bahnhof, Bahnhof, Bahnhof, Bahnhof, Bahnhof.
Vielleicht wollte er ja das hier sagen, kannte die Worte aber nicht, weil er sich mit der deutschen Sprache bislang nicht auseinandergesetzt hat, obwohl er berits seit geraumer Zeit in Deutschland lebt:
Ich fahre heute Nachmittag zum Bahnhof, um einen Freund abzuholen.
Hier weiß jeder genau was gemeint ist. Jedes Wort hat eine Bedeutung und richtig zusammengebracht ergibt das eine sinnvolle Information, die man verarbeitet und versteht.
Nun hat sich der gute Mann natürlich der Kritik angenommen und ein wenig Deutsch gelernt:
um Bahnhof abzuholen einen ich fahre Freund.
Ich verstehe die einzelnen Wörter, kann jedes einzelne für sich verstehen. Zusammengebracht zu diesem Satz machen die Begriffe an den Stellen aber gar keinen Sinn und ich verstehe den Satz auch nicht, könnte mir evtl. vorstellen, was es bedeuten könnte, wenn in dem Gespräch die ganze Zeit über dieses Thema gesprochen.

Der naive Webdesigner

Was hat das nun mit Webdesign und Webstandards zu tun? Bleiben wir bei dem Beispiel von oben und transformieren das in die HTML-Sprache: Anstelle des Bahnhofs nehmen wir nun eine Tabelle “<table>”.
Jeder versteht den Begriff, kann sich über seine Form und seine Bedeutung ein Bild machen. Nehmen wir einmal den guten Mann und ersetzen ihn durch einen Webdeveloper, der kaum ein Wort &quotHTML” spricht, nur einmal was von Tabellen gehört hat, dass er aus dem Lexikon (Dreamweaver) oder von einem Freund kennt.
“Damit kann man doch gut arbeiten.” Denkt er sich.
Also baut er es fröhlich in seine Website ein bzw. baut sie damit auf. Ist doch ganz praktisch: Tabellen kann man schön für alles verwenden, funktioniert und jeder sieht die Website und kann die Inhalt lesen.
Jeder? Greifen wir das Beispiel von oben nocheinmal auf. Dieser junge Mensch versucht mir zu erklären, dass er einen Freund vom Bahnhof abholen wird. Mit Wörtern kann er es leider (noch) nicht, also versucht er es mir pantomimisch darzulegen. Die Zeichensprache ist immerhin in so gut wie jedem Land veständlich, zu Not kann man es noch aufzeichnen. Es funktioniert und ich verstehe ihn.
Klappt mit ihm, dann klappt es auch mit allen anderen auf der Welt und ich brauche die Sprache gar nicht zu lernen, da ich mich ja auch so verständlich machen kann.

Wir schließen dich aus

Was ist aber mit Leuten, die andere Zeichen verwenden, andere Bedeutungen dafür haben bzw. in der Websprache, was ist mit den Usern, die Browser verwenden, in der die Website nicht ehr so toll aussieht, Busg enthält oder einfach den fehlerhaften Code richtig interpretieren, also falsch darstellen?
Was ist mit den Usern, die andere Arten von Browsern benutzen, weil sie körperlich oder geistig nicht mit der Standard-Software arbeiten können, sich natürlich trotzdem im Web aufhalten?
Was ist mit den Robots, die sich durch den Code quälen, um deine Website in den Suchmaschinen dieser Welt aufnehmen möchten?
Alleine sind sie vielleicht nur ein Prozentsatz der Besucher auf einer Website, zusammen aber ergeben sie eine relevante Gruppe an Usern, die auf deine Website keinen oder nur bedingten Zugriff haben und so auch noch im Web benachteiligt werden, wo es doch “für alle” da ist.

Jeder <Tag> hat seine Bedeutung

Aus diesen Gründen und noch mehr (Übersichtlichkeit, kleinere Dateien, Nachhaltigkeit) ist es sinnvoll semantisches HTML-Markup zu schreiben. Was bedeutet das?
Jeder Tag, jedes HTML-Element hat eine Bedeutung, an die man sich orientieren sollte und dann sinnvoll einsetzen. Es gibt Tags für Überschriften (h1-h6), für Paragrafen (p), für Tabellen (table), für Divisionen (div). Eine Seiten-Navigation ist eine, zumeist ungeordnete, Liste (ul, ol), “label” kennzeichen das folgende Eingabefeld in Formularen, aus Texten hebt man Wörter mit dem “em”-Tag oder dem “strong”-Tag hervor, Zitate werden mit “blockquote” oder dem “q”-Tag gekennzeichnet.
Es gibt sie, also benutze sie auch sinnvoll. Verwende sie nicht im Übermaß, du brauchst nicht jedes Element mit einem “div” umschließen und nicht komplett auf Tabellen verzichten. Jedes Element hat seine Bestimmung, wenn man auch ab ud zu etwas mehr darüber nachdenken muss und es nicht immer eine richtige Lösung gibt bzw. eine optimale Lösung.
Mach dich verständlich im Web, damit deine wertvolle Website auch jeder besuchen kann und genießen kann. Es liegt an dir ;) .

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